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Schluss mit dem Schlaf-Stress: Warum es die „perfekte“ Position gar nicht gibt (und wie du trotzdem besser liegst)



Das Wichtigste in 30 Sekunden:

  • Entwarnung: Es gibt keine wissenschaftlich „verbotene“ Schlafposition für gesunde Menschen.

  • Bewegung ist gut: Wir wechseln nachts bis zu 29-mal die Position – das ist ein Schutzmechanismus des Körpers, keine Störung.

  • Vorsicht bei Mythen: Der Zwang, „perfekt“ zu liegen (Orthosomnie), verursacht oft erst recht Schlafprobleme.

  • Praxis-Tipp: Bei Rücken- oder Nackenschmerzen helfen gezielte Kissen-Tricks, statt die ganze Position zu ändern.

 

Hand aufs Herz: Hast du dich auch schon mal nachts im Bett hin- und hergewälzt und dich gefragt, ob du gerade „falsch“ liegst? Vielleicht hast du irgendwo gelesen, dass die Rückenlage das Nonplusultra ist oder dass man auf der linken Seite schlafen muss, damit die Entgiftung klappt.

 

Die Wahrheit ist viel entspannter: Die Wissenschaft kennt keine „perfekte“ Schlafposition für alle.

 

In diesem Artikel räumen wir mit den hartnäckigsten Mythen auf, schauen uns an, was dein Körper nachts eigentlich treibt, und ich zeige dir, wie du bei Beschwerden konkret gegensteuern kannst.

 

Mythos 1: „Du musst still liegen, um gut zu schlafen“


Wir stellen uns gesunden Schlaf oft als einen Zustand absoluter Regungslosigkeit vor (wie im Märchen bei Dornröschen). Doch dein Körper ist nachts ein kleiner Akrobat – und das aus gutem Grund.


  • Wir wechseln im Schnitt 13-mal pro Nacht die Position (Skarpsno et al., 2017).

  • Je nach Alter und Schlaftyp können es sogar bis zu 29 Positionswechsel sein (De Koninck et al., 1992).

 

Das ist kein Zeichen von schlechtem Schlaf, sondern ein genialer Schutzmechanismus. Dein Gehirn registriert, wenn Gewebe zu lange gedrückt wird oder die Durchblutung stockt, und gibt den Befehl zum Umdrehen. Starre Regeln nach dem Motto „Zwing dich, auf dem Rücken zu bleiben“ arbeiten also gegen deine Biologie (Dr. Blume, 2024).

 

Realitätscheck: Wie schläft die Welt wirklich?


Falls du dich fragst, ob du „normal“ bist: Die Forschung zeigt klare Trends.

  • Seitenlage (54,1 %): Der absolute Spitzenreiter. Interessant: Je älter wir werden oder je höher der BMI ist, desto eher landen wir auf der Seite.

  • Rückenlage (37,5 %): Beliebt, aber nicht für jeden anatomisch ideal (dazu gleich mehr).

  • Bauchlage (7,3 %): Die Minderheit – oft zu Unrecht verteufelt, aber tatsächlich die Position mit den meisten Tücken für den Nacken.

(Datenbasis: Skarpsno et al., 2017)

 

Wann du deine Position anpassen solltest (und wann nicht)


Hier liegt der entscheidende Unterschied zwischen Panikmache und fundierter Beratung:

 

Für gesunde Menschen: Es gibt keine „falsche“ Position. Wenn du keine Schmerzen hast, darfst du liegen, wie du willst (Lee et al., 2022). Dein Körper reguliert das selbst.

 

Für Menschen mit Beschwerden: Hier lohnt sich ein genauerer Blick. Wenn du morgens mit Schmerzen aufwachst, können kleine Anpassungen Wunder wirken:

 

1. Bei Schmerzen im unteren Rücken (LWS)

Die Lendenwirbelsäule mag es meist nicht, wenn sie durchhängt oder verdreht wird.

  • Der Hack: Versuche, die Neutralstellung zu unterstützen. Studien zeigen, dass sowohl die Rückenlage als auch eine unterstützte Seitenlage helfen können (Saini et al., 2025).

  • So geht’s: Leg dir in der Seitenlage ein Kissen zwischen die Knie. Das verhindert, dass das obere Bein das Becken nach vorne zieht und die Wirbelsäule verdreht.

 

2. Bei Nackenverspannungen

Hier ist die Bauchlage oft der Übeltäter. Da du atmen musst, drehst du den Kopf stark zur Seite – über Stunden hinweg ist das Schwerstarbeit für die Halswirbelsäule und begünstigt ein Hohlkreuz (Saini et al., 2025).

  • Empfehlung: Teste ein flacheres Kissen oder versuche, dich an die Seitenlage zu gewöhnen.

 

3. Bei medizinischen Diagnosen

Wer unter Sodbrennen (Reflux) oder Schlafapnoe (Atemaussetzern) leidet, für den ist die Positionstherapie (z. B. Oberkörper hochlagern oder strikte Seitenlage) oft Teil der ärztlichen Behandlung. Hier gelten andere Regeln als für den „Normalschläfer“.

 

Die Gefahr der „Orthosomnie“: Wenn Kontrolle krank macht

Ein Phänomen, das ich in letzter Zeit häufiger beobachte, ist die Orthosomnie. Das ist die zwanghafte Fixierung auf den „perfekten Schlaf“, oft angetrieben durch Smartwatches und Schlaftracker.

 

Wer abends ins Bett geht und denkt: „Mein Tracker sagt, ich muss mehr Tiefschlaf kriegen und darf mich nicht bewegen“, erzeugt Stress. Dieser Stress führt zu Grübeln und körperlicher Anspannung – und damit zu genau den Schlafproblemen, die man vermeiden wollte (Jahrami et al., 2024).

 

Daher mein Rat als Experte: Daten sind gut, Körpergefühl ist besser.

 

Mein Fazit für heute Nacht

Wie wir einschlafen, können wir noch bewusst steuern. Was in den Stunden danach passiert, ist Sache deines Unterbewusstseins. Die wichtigste Regel lautet daher:

 

Die beste Position ist die, in der du dich wohlfühlst, entspannen kannst und schmerzfrei einschläfst.

 

Alles andere regelt dein Körper von selbst.


 

Literaturverzeichnis

Für alle, die es genau wissen wollen, hier die Studienlage zu diesem Artikel:

 

De Koninck, J., Lorrain, D., & Gagnon, P. (1992). Sleep Positions and Position Shifts in Five Age Groups: An Ontogenetic Picture. Sleep, 15(2), 143–149.

 

Deutschlandfunk Nova. (2024). Rücken, Bauch, Seite: Gibt es die perfekte Schlafposition? Sendung „Über Schlafen“ mit Dr. Christine Blume.

 

Jahrami, H., et al. (2024). Prevalence of Orthosomnia in a General Population Sample: A Cross-Sectional Study. Brain Sciences, 14(11), 1123.

 

Lee, J. H., et al. (2022). Computational modeling of drug dissolution in the human stomach. Physics of Fluids, 34(8).

 

MVZ Praxisklinik Dr. Schneiderhan & Kollegen. (2024). Die besten Schlafpositionen bei Rückenschmerzen [Pressemitteilung].

 

Saini, Y., Rai, A., & Sen, S. (2025). Relationship Between Sleep Posture and Low Back Pain: A Systematic Review. Musculoskeletal Care, 23(2).

 

Skarpsno, E. S., et al. (2017). Sleep positions and nocturnal body movements based on free-living accelerometer recordings. Nature and Science of Sleep, 9, 267–275.

 
 
 

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